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Das Hochaltarblatt der Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer in Hilpoltstein (September2017)

Hochaltarblatt der Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer in Hilpoltstein pde-Foto: Diözesanmuseum

Angrenzend an den Marktplatz erhebt sich auf einer höher gelegenen Terrasse am Anstieg zur Burg von Hilpoltstein die stattliche Pfarrkirche St. Johannes d. T. Im Sinne der Gegenreformation wurde der Sakralbau architektonisch und künstlerisch im Stil des Spätbarocks umgebaut unter der Leitung des neuburgischen Hofbaumeisters Johann Puchtler. In der gesamten Konzeption das Raums und seiner prächtigen Ausstattung ist die jesuitische Theologie spürbar. Im Jahr 1702 wurde der mächtige Hochaltar aufgerichtet, ein Retabel mit Säulen, zwei Gemälden und lebensgroßen Skulpturen. Als Hauptbild verwendete man ein älteres Gemälde, das zu diesem Zweck verändert werden musste. Es handelt sich um ein Werk des Jesuitenfraters Paulus Bock. Die Signatur lautet: „1656 Paulus Bock Soci. Jes. f. zu Neuburg“.

Hochaltarblatt der Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer in Hilpoltstein pde-Foto: Diözsesanmuseum

Die Ikonographie bezieht sich auf den Kirchenpatron Johannes der Täufer und schildert seinen Märtyrertod durch Enthauptung. Die Szene spielt sich einem tief gelegenen, dunklen, kellerartigen Verlies des Palastes von Herodes ab. Die Tiefe des Raums wird durch eine starke perspektivische Verkürzung beschrieben. Eine einzige Lichtquelle, eine hoch gelegene Bogenöffnung, durch die Salome und Herodias die Hinrichtung verfolgen, erhellt die Szene. Im Vordergrund ist Johannes mit entblößtem Oberkörper erkennbar. Er kniet auf einem hölzernen Podest. Die Hände sind gefesselt. Er senkt den Kopf, erwartet den Schwerthieb. Seine Attribute, der Kreuzstab und das Lamm, sind ihm zugeordnet. Der herabschwebende Engel hat die Märtyrerinsignien, Lorbeerkranz und Palmzweig, vorbereitet. Der Scharfrichter steht hinter Johannes. Es handelt sich um einen kräftigen jüngeren Mann in der typischen Tracht, der dabei ist, das Schwert aus der Scheide zu ziehen. Auf der linken Seite erscheint König Herodes als ein korpulenter Herrscher in türkischer Tracht mit einem Beil, das er als Gehstock benutzt, mit seinem Gefolge als Zeuge der Handlung. Dem Henker ist ein interessantes zeitgenössisches Detail zugeordnet, ein sogenannter Streckgalgen, also ein Folterinstrument. Das Gewicht hat die Form einer Glocke, und auf der Glocke hat der Maler seine Signatur angebracht.

 

Über den Künstler ist leider nur wenig bekannt, genauso wie man bislang keine weiteren erhaltenen Werke kennt. Paul Bock (oder auch Pock) ist 1606 in Konstanz geboren. Er trat in den Jesuitenorden ein und war in verschiedenen Orten tätig. Er arbeitete als Maler und als Kunststicker. Dass er auch in der Architektur bewandert gewesen ist, erkennt man an der meisterhaften Konstruierung des Verlieses. Nach Ausweis der Signatur hielt er sich 1656 in Neuburg an der Donau auf. Deshalb ist es verständlich, dass er mit dem Auftrag in Hilpoltstein betraut worden ist. 1657 ist er in München gestorben. Stilistisch hat er sich z. B. an Peter Paul Rubens orientiert und in der dramatischen Lichtführung ist er abhängig von Caravaggio.

Emanuel Braun

Stadtpfarrkirche Hilpoltstein

Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer in Hilpoltstein pde-Foto: Diözsesanmuseum

Die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer geht auf das 15. Jahrhundert zurück. Die Kirche wurde Anfang des 18. Jahrhunderts im Stil des Spätbarock umgebaut.

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